02.05.09 00:00 Alter: 1 yrs

30. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga

Von: Frank Rischmüller - mein aktuelles SC-Tagebuch

Sonntag, 3. Mai 2009, 14 Uhr

Badenovastadion Freiburg

SC Freiburg - FSV Frankfurt

Das Vorspiel

Müssen wir noch zittern, oder bringt es der Sportclub souverän zu Ende - steigt womöglich schon vorzeitig in die 1. Liga auf? Diese Frage bewegt die Fans des SC. Die BZ hat sogar eine Umfrage gestartet, nach welchem Spiel der SC den Aufstieg denn unter Dach und Fach haben wird. Fas die Hälfte der Teilnehmer an der Online-Abstimmung vermuten, dass dies nach dem Heimspiel gegen Greuther Fürth sein wird - also schon sehr bald, in 10, 11 Tagen, denn das Fürth-Spiel wird ja schon am Mittwoch in einer Woche ausgetragen. Ich selbst bin zwar auch grundoptimistisch, glaube nicht wirklich, dass der SC auf dem Weg in die Eliteliga noch einmal etwas anbrennen lässt. Dass die Jungs nun aber quasi fehlerfrei durchmaschieren und schon am 32. Spieltag feiern könen, halte ich für eine sehr mutige Prognose. Weil das Spiel morgen gegen Frankfurt sauschwer wird und weil auch Koblenz kein Selbstgänger wird - das Match gegen die Fürther selbst am aller wenigsten. Ich baue also mal eine Niederlage in meine Kalkulation ein - irgendeine auf diesem Weg - und lande mit meiner Prognose am vorletzten Spieltag in Oberhausen. Ich glaube seit einigen Wochen schon, dass es da passieren wird. Holt der SC die (zur Zeit) noch maximal notwendigen sieben Punkte vorher - umso besser.

Gestern habe ich mit meinen Prognosen richtig gut gelegen. Mein erwachsener Soh Jérôme hat mit mir die drei Zweitligaspiele in der Konferenz geguckt und vorher noch schnell online ein paar Wetten anbeschlossen. Beim Auswärtssieg der Osnabrücker, für die wir als Ostwestfalen natürlich nachbarschaftliche Sympathien hegen, lagen wir auf einer Linie. Wie der Junior auf einen Lauterer Sieg in Rostock kam, kann ich mir und konnte auch er mir nicht erklären. "Du wirst sehen, dass die  permanent überschätzten Roten Teufel aus Kaiserslautern heute eine Klatsche kriegen und sich damit vom Aufstiegsrennen abmelden", sagte ich ihm bei Anpfiff der Partien - und genauso kam es dann ja auch. Da er eine Kombi-Wette abgeschlossen hatte, ging er leer aus. Hätte er doch auf mich gehört - aber welcher Twen hört schon auf seinen Vater???

Zum morgigen Spiel: Ich werde erst auf den letzten Drücker im Stadion ankommen, da ich am Vormittag ein "Oldtimertreffen" in der Innenstadt von Staufen moderiere. Der bevorstehende Urlaub - nach Saisonschluss geht es vier Wochen in die Karibik, das "Coming home" meiner Frau Yoani - will schließlich finanziert sein. Eine Stunde habe ich zwischen Ende des Jobs in Staufen und dem Anpfiff im Badenovastadion. Im Hinspiel landete der SC nach einer äußerst mäßigen Leistung einen Auswärtssieg in der beinahe gespenstisch leeren  Commerzbank-Arena. Seither ist aber nicht nur der SC besser geworden, sondern auch der FSV. Die Frankfurter sind quasi erst nach der mühsamen Hinrunde in der 2. Liga angekommen. In der Rückrundentabelle sind sie Dritter und haben gerade am letzten Wochenende den 1. FC Nürnberg aus den kühnsten Aufstiegsträumen geschossen. Das wird morgen eine haarige Angelegenheit. Eine Kombination aus der Spielkunst der ersten Halbzeit gegen Ingolstadt, dem Siegeswillen aus der 2. Halbzeit vom Spiel in Mainz und die Effizienz und das Glück aus der Partie in St. Pauli - das wünsche ich mir und das würde auch sicher gegen den FSV Frankfurt zum Sieg reichen. Um es mit Jogi zu sagen: "Högschte Konzentration" wird morgen erforderlich sein. Frankfurt ist der ideale Stolperstein und ich habe irgendwie ein schlechtes Bauchgefühl. Ein Sieg in Koblenz scheint mir gerade logischer und wahrscheinlicher  als ein "Dreier" gegen den FSV, der quasi von der breiten Öffentlichkeit ganz sicher erwartet wird. Das nötige Kribbeln im Bauch habe ich jetzt schon und ich freue mich auf das Spiel. Ich bin sicher, wenn der SC morgen gewinnt wird sich ein richtiges Glücksgefühl bei mir einstellen, denn im Vorhinein glaube ich nicht wirklich daran, dass das gelingt. Ich würde mich freuen, wenn Rodionov in der Startelf steht, rechne aber nach allem, was ich höre und lese mit derselben Startelf wie in St. Pauli, auch wenn die dort sicher nicht überzeugt hat.

Gespannt bin ich unter anderem auch auf die Zuschauerzahl. Alles unter 20.000 fände ich angesichts der Situation beschämend. Den Aufstieg vor Augen - das drittletzte Heimspiel - da muss es doch krachen! Morgen 20.000 plus X und gegen Fürth und Lautern ausverkauft, das wäre eigentlich normal. Da die Leistung stimmt, müsste man sich ernsthaft Gedanken über ein Imageproblem des SCF machen. Jetzt schaun wir mal und hoffen, dass es morgen wirklich kracht...

Ich übertrage das Spiel SC Freiburg gegen FSV Frankfurt morgen ab 14 Uhr live bei baden fm.

Das Fußballspiel

Nach zweieinhalb Stunden Veranstaltungsmoderation heute Vormittag in Staufen und der anschließenden Radioübertragung des Fußballspiels bin ich jetzt ziemlich geplättet und versuche es mal mit einer Kurzversion:

20.100 Zuschauer im Badenovastadion boten bei herrlichem Sonnenschein einen würdigen Rahmen für den hoch verdienten 4:1-Erfolg des SC Freiburg gegen den FSV Frankfurt. Die Platzherren, mit derselben Startelf angetreten, wie vor einer Woche beim FC St.Pauli, zeigten eine hoch konzentrierte Leistung und ließen von Beginn an keinen Zweifel an der Frage nach dem Sieger. Gäste-Trainer Thomas Oral gratulierte angesichts der eindrucksvollen Darbietung der Freiburger nach dem Abpfiff - etwas verfrüht, aber durchaus ernst gemeint - zum Gewinn der Meisterschaft.

Etwas überraschend fand sich der zuletzt formschwache Tommy Bechmann in der Startelf des SC wieder, doch sollte ausgerechnet der blonde Däne, nach einigen unglücklichen Szenen zu Spielbeginn, zum Matchwinner aufsteigen. In der 13. Minute war er zur Stelle und verwertete eine tolle Links-Flanke von Abdessadki zwar mit Ach und Krach, letztlich aber doch zum frühen 1:0 für Freiburg. Doch die Geschichte, die eben nur der Fußball schreibt, ging noch weiter: In der 24. Minute flankte  Schwaab von rechts und in der Mitte war wieder der blonde Däne zur Stelle - diesmal mit dem Kopf. 2:0, zweiter Treffer von Bechmann - es lief plötzlich wie am Schnürchen für den Stürmer und Robin Dutt durfte sich selbst auf die Schultern klopfen, an dem Dänen festgehalten zu haben. Der Sportclub hatte in der Folgezeit weitere gute Möglichkeiten, ließ sie aber großzügig aus und führte zur Pause, wie vor zwei Wochen gegen Ingolstadt, mit 2:0.

Die Konzentration der Hausherren war aber auch in der zweiten Hälfte top, sodass die kalte Dusche mit einem schnellen Ausgleich des Gegners diesmal ausblieb. Einzig im Ausnutzen der Torchancen blieben einmal mehr viele Wünsche offen. Idrissou hatte mehrfach die Chance zum dritten Treffer, Abdessadki lief sogar gänzlich allein gelassen auf den Frankfurter Torhüter zu, doch auch der ansonsten bestens aufgelegte Franco-Marockaner bekam den Ball nicht im FSV-Netz unter.

Rodionov kam für Idrissou (70.), Glockner für Bechmann (76.) und insbesondere Letzterer führte sich perfekt ein: In der 78. Minute hob Glockner den Ball hoch vor das Tor, ausgerechnet der kleine Jäger war sträflich ungedeckt und machte per Kopf "den Sack zu". 3:0 - das war der sichere Sieg; Jubel, Freude und ... ach, die Frankfurter spielen ja auch noch mit.  Wie ärgerlich! Kurz nach dem 3:0 stimmte mal einmal die Konzentration beim Sportclub nicht und so konnte der zur zweiten Hälfte bei den Gästen eingewechselte Henrich Bencik - in Freiburg ein alter Bekannter -  mit einem Spannschuss aus einer Distanz von etwa 16 Metern zum 3:1 einschießen. Es war nur der Ehrentreffer, denn ab sofort war der SC wieder hellwach und kam in der 85. Minute sogar noch zum 4:1: Klitzpera foulte Glockner im 16er, es gab den fälligen Elfmeter. Schwaab nahm Maß und machte den Endstand perfekt. 4:1 - auch in der Höhe mehr als verdient. Freiburg ist auf dem Marsch in die erste Liga scheinbar nicht mehr aufzuhalten.

Das Nachspiel 

In der Pressekonferenz gab es das übliche Bla Bla der beiden Trainer - keine Überraschungen, keine Neuigkeiten. "Haben Sie noch Fragen an die Trainer?" sprach Rudi Raschke - Schweigen im Walde bzw. im Presseraum. Dann scharten sich die Frankfurter Journalisten um Thomas Oral und die Freiburger um Robin Dutt. Letzterer bemängelte die Konsequenz beim Ausnutzen der eigenen Torchancen und den kurzen Blackout nach dem erlösenden 3:0, was dann den Ehrentreffer der Gäste zur Folge hatte. Um die vor dem Spiel durchaus umstrittene Entscheidung  pro Bechmann in der Startelf ging es auch noch, was dem SC-Trainer endgültig das Siegerlächeln in das Gesicht zauberte. Immerhin hatte Bechmann zwei Tore erzielt. Gute Stimmung also im kleinen Rund, bei ausgeschalteten Mikrofonen. Ich warf dann noch die Frage in die Runde, ob der SC den Aufstieg eigentlich rechnerisch schon am kommenden Sonntag in Koblenz unter Dach und Fach bringen könne. Etwas kompliziert wurde das Ganze offenbar, weil Fürth morgen noch in Duisburg ran muss und beim Franken-Derby am kommenden Sonntag die SC-Verfolger Fürth und Nürnberg gegeneinander antreten. Nein, ein Aufstieg in Koblenz sei wohl noch nicht möglich, zumindest sei es sehr kompliziert und so. So die Einschätzung vom Trainer und auch bei uns Journalisten.

Zuhause in Bad Krozingen habe ich mir Tabelle und Spielplan in Ruhe noch einmal angesehen und bin - sozusagen in aller Ruhe - zu einem anderen Urteil gekommen: Wenn der SC in Koblenz gewinnt und Mainz zeitgleich in St. Pauli verliert, ist der Freiburger Aufstieg am Sonntag perfekt. Völlig egal, was Fürth und Nürnberg im Franken-Derby machen. Ich war nie gut in Mathe, aber diese Rechniung ist glaube ich wasserdicht. Ich habe extra den BZ-Kübler eben nochmal angerufen und mit ihm das Ganze durchgerechnet und auch René gab mir Recht. Das könnte also ein heißes Wochenende werden - Erinnerungen an frühere Aufstiege werden wach. In Burghausen und Wattenscheid war ich schon als Reporter mit dabei - und jetzt in Koblenz?

Hier sind die im Schnitt hervorragenden Noten, die ich heute Nachmittag bei baden fm an die Spieler des SC verteilt habe: Pouplin hatte nur wenig zu tun. Unter dem Strich eine gute Partie des Franzosen, ohne die ganz großen Herausforderungen. Note: 2. Butscher war heute etwas weniger zu sehen als sonst. Note: 3. Toprak spielte ohne Fehl und Tadel. Note: 2. Krmas stand bomebsicher hinten drin. Note: 2. Schwaab spielte sehr zuverlässig. Beim Elfmeter in der Schlussphase blieb er eiskalt wie eine Hundeschnauze. Note: 2. Banovic spielte als wäre er nie weg gewesen. Gute Partie vom Routinier! Note: 2. Schuster bot eine korrekte Leistung, heute aber ohne die sonst üblichen persönlichen Höhepunkte und Sahnehäubchen. Note: 3. Jäger bot ein starkes Spiel und erzielte ein Tor. Komplimen, Monsieur! Note: 2. Abdessadki spielte phasenweise wie aufgedreht, hatte Pech bei einem 1 gegen 1 Duell mit dem gegnerischen Torwart. Dafür rettete er einmal auf der Linie des eigenen Tores. Note: 2. Idrissou bot ein couragiertes und gutes Spiel - es gibt aber einen Vorwurf: Der Lange ließ heute zu viele Torchancen aus. Note: 2-. Bechmanns zwei Tore sprechen für sich. Note: 2+. Rodionov, Glockner und Olle Olle spielten als Einwechselspieler alle weniger als 20 Minuten und bekommen deshalb keine Note.

Ich freue mich über Ihre/Eure Meinungen und Stellungnahmen im Gästebuch meiner HP unter www.frank-rischmueller.com.