Badenovastadion, Freiburg
SC Freiburg - Spvgg. Greuther Fürth
Das Vorspiel
Drei Tage in Folge bin ich jetzt erst spät nach Mitternacht ins Bett gekommen. Sonntag wegen der spontanen Meisterfeier mit dem Sportclub, Montag und Dienstag - wie jede Woche - wegen der Produktion unserer Wochenzeitungen. Jetzt hänge ich irgendwie in den Seilen und hoffe nur, dass es den Jungs vom SC nicht genauso geht.
Das Spiel heute Abend - eigentlich ist es ja der Spätnachmittag - ist eine Geschichte mit vielen Unbekannten. Nein, ich meine nicht die Spieler, die womöglich für den SC auflaufen - Meistermacher Robin Dutt hat ohnehin angekündigt die best mögliche Formation auf das Spielfeld zu schicken - nein, ich meine die jeweiligen mit vielen Fragen besetzten Ausgangspositionen. Fangen wir, aus Höflichkeit, beim Gegner an: Schaut man sich die Tabelle und das Restprogramm an, kommt man schnell zu dem Schluss, dass die Möhlmann-Truppe heute in Freiburg gewinnen muss, um ein Platz-zwei-Kandidat zu bleiben. Selbst für den Relegationsplatz könnte ein Unentschieden für die Fürther zu wenig sein. Die Unbekannte: Wie geht die Truppe damit um? Verkrampft sie womöglich und taumelt an der Dreisam ihrem ewigen Schicksal der "unaufsteigbaren" Spielvereinigung Greuther Fürth entgegen? Oder ist Möhlmanns Elf hoch konzentriert und sie erreicht, na sagen wir mal, hundert Prozent ihrer Leistungsfähigkeit? Wie geht der künftige Freiburger Stefan Reisinger mental damit um, vor seinen zukünftigen Fans, gegen seine zukünftigen Kameraden, aber eben noch für die Greuther zu spielen? Sticht das Trumpfas in Möhlmanns Sturm auch unter solchen besonderen Umständen? Und der Sportclub? Liefert er vor vollem Haus, von Meisterschaft und Aufstieg euphorisiert, selbstbewusst und befreit von jedem Druck, eine Galavorstellung ab, oder zahlt die Truppe heute gegen einen fußballerisch ebenbürtigen Gegner die Zeche für den Dauerstress der vergangenen zehn Monate und die jüngsten (angemessenen) nächtlichen Ausschweifungen? Fehlt es heute an Fitness, Konzentration und der Bereitschaft, ein weiteres Mal an die Belastungsgrenzen zu gehen? Alles denkbare und nachvollziehbare Szenarios, die die grundsätzliche Festtagsstimmung in Fußball-Freiburg aber nur im positiven Fall weiter anfeuern sollte, ansonsten von den Fans gnädig hingenommen würde. So wie letztes Jahr in Mönchengladbach, als die Borussia-Fans ihrer vorzeitig aufgestiegenen Fohlen-Elf ein 0:3 gegen den SC verzeihen musste und ohne größeres Murren auch verziehen hat.
Als Fußball-Romantiker träume ich natürlich von der Galavorstellung des neuen Meisters. Auch, weil ich möchte, dass Mainz aufsteigt. Letzteres auch wieder aus fußballromantischen Gründen. Ich fand es wohltuend und beeindruckend, wie freundlich, mit tosendem Applaus und ohne einen Pfiff oder Schmährufe wir Freiburger da in Mainz neulich begrüßt wurden - trotz der extremen sportlichen Rivalität zwischen beiden Mannschaften im Kampf um die Aufstiegsplätze in der Liga. Es war einfach freundlich, sportlich, anständig, wie sich das Mainzer Umfeld uns Gästen gegenüber verhalten hat. Denen gönne ich den zweiten Platz, damit wir auch nächstes Jahr wieder so ein angenehmes Auswärtsspiel erleben dürfen.
Dass es früher auch in Freiburg mal so nett war, möchte ich nur am Rande erwähnen. Aber - es isch wie es ich. Und noch wichtiger ist: Wir sind dann mal oben.
Ich übertrage das Spiel SC Freiburg gegen Greuther Fürth heute ab 17.30 Uhr live bei baden fm.
Das Fußballspiel
...war höchst ungewöhnlich für mich. Ich verspürte null Kribbeln, null Spannung, sehr wohl aber die satte Zufriedenheit, ganz nach dem Motto: Wir sind dann mal oben. Die Spieler haben sich ihrerseits noch einmal richtig Mühe gegeben und ich bin ziemlich sicher, dass das auch noch zwei weitere Male klappen wird, also in Oberhausen und gegen Kaiserslautern.
Gegen die Fürther, die nur selten andeuteten, dass sie Ambitionen haben, in die erste Liga aufzusteigen und deshalb um jeden Preis in Freiburg gewinnen wollen, bot Robin Dutt noch einmal alles auf, was Rang und Namen hat - auch der angeschlagene Torwart Pouplin, der dem Vernehmen nach grenzwertig ermüdete Kapitän Butscher, kurz alle namhaften Spieler waren dabei. Erst in der Schlussphase kam mit Olle Olle ein bisschen Aufstellungsexotik ins Spiel, doch gerade Olle Olle sorgte noch einmal richtig für Dampf in einem Spiel, das zwar gefällig war und den SC über jeden Zweifel hinweg erhaben macht, was seine Beteiligung an Wettbewerbsverzerrung betrifft, es fehlte aber die ganz große Spannung und es fehlten die Tore. Ein 0:0 der besseren Sorte, nicht mehr aber auch nicht weniger kam am Ende vor 22.800 Zuschauern dabei heraus. Fürth hatte in der ersten Hälfte leichte Vorteile, Freiburg in der zweiten Halbzeit eine deutliche Dominanz. Nur Treffer wollten halt nicht fallen. Deshalb war es das auch schon zum Spiel. Ich bin dann mal fertig.
Das Nachspiel
Kostenlose Süßgetränke und Freibier gab es nach dem Schlusspfiff für die Fans, die Durst hatten. Etwas feierlicher wird es wohl am 24. Mai zugehen, wenn dem SC die offizielle Meisterschale der 2. Bundesliga überreicht wird. Das Spiel gegen Fürth, mein journalistischer Nachklapp - alles war sehr unspektakulär. Vielleicht war ich auch nur müde. Wie eingangs erwähnt hänge ich ein bisschen ikn den Seilen. Im Juni gehts vier Wochen in die Karibik - ich bin dann mal weg. Aber noch nicht!
Hier meine Einzelbewertung von gestern Abend: Pouplin wurde wenig geprüft. Note: 3. Butscher spielte engagiert und ohne erkennbare Müdigkeitserscheinungen. Note: 2-3. Toprak vertendelte einmal fast den Ball, setzte aber auch zwei, drei Glanzpunkte. Note: 2-3. Krams spielt - ob Meister oder nicht - irgendwie immer stabil. Note: 2-3. Schwaab war deutlich besser als in Koblenz. Note: 3+. Schusters Flanken und Standarts kamen diesmal zu selten zum eigenen Mann. Note: 3-4. Flum war erstmals wieder in der Startelf und machte seine Sache ganz gut. Note: 2-3. Jäger war wieder unter den besten Freiburgern. Note: 3. Abdessadki sorgte für technische Leckerli. Note: 2-3. Idrissou quälte sich über 67 Minuten ohne besonders aufzufallen. Note: 3-4. Rodionov spielte gut mit, hatte aber etwas Pech im Abschluss. Note: 3. Glockner wurde eingewechselt, spielte mit, ohne aufzufallen. Note: 3. Uzoma und Olle Olle spielten weniger als 20 Minuten mit und bekommen deshalb keine Note.
Weiter geht es bereits am Sonntag im Niederheinstadion von Rot-Weiß Oberhausen, wo selbst ich schon mal ein Finale bestritten habe Mehr davon am Wochenende.
Ich freue mich auf Ihr/Eure Meinungen und Stellungnahmen im Gästebuch meiner HP www.frank-rischmueller.com!