Badenovastadion, Freiburg
SC Freiburg - 1. FC Kaiserslautern
Das Vorspiel
Vor dem heutigen Zweitliga-Final-Spektakel habe ich eigentlich nur einen Wunsch: Vor dem ganzen Brimborium mit Schalenübergabe, Fan-Fete und abermaliger Meisterfeier der Mannschaft möge es noch einmal ein richtig gutes Fußballspiel geben. Seit dem Highlight in Koblenz fehlt mir das in meinem kleinen Fußball-Reporter- und Fußball-Fan-Leben. Gegen Fürth, na ja, das ging so, war aber alles andere als das erhoffte Spitzenspiel und in Oberhausen - na ja, da decken wir mal den Mantel des Schweigens drüber. Robin Dutt scheint meinen Wunsch zu teilen, denn er hat angekündigt, diesmal die nominell beste Elf auf den Rasen zu schicken; die Aufstiegshelden also, die das ausverkaufte Stadion hoffentlich als zusätzlichen Ansporn begreifen, noch einmal richtig Gas zu geben.
Die Zukunft lautet dann erste Bundesliga... Die Erstligasaison der Gegenwart ist gestern zu Ende gegangen. Wolfsburg wurde eindrucksvoll und verdient Meister. Als gebürtiger Bielefelder und Arminia-Mitglied bin ich natürlich etwas bedrückt über den Abstieg der Arminen, den ich aber unter dem Strich auch als verdient bezeichnen muss. Eine meistens gut organisierte Defensive reicht einfach nicht. Es gab eine Unzahl von Unentschieden und das - Robin Dutt hat die Vermeidung von Unentschieden bekanntlich zum Konzept entwickelt - brachte letztlich den Abstieg; zu wenig Siege eben. Es fehlte auch zu häufig der erkennbare Siegeswille bei den Bielefeldern, die Leidenschaft, die bei den Cottbussern zum Beispiel Spiele entschieden hat, hat bei Arminia gefehlt. Dabei ist Leidenschaft eigentlich eines der Schlüsselwörter für erfolgreichen Fußball in Ostwestfalen. Jetzt sind sie weg, die Arminen. Einmal mehr dem SC ausgewichen, wie seit Jahren schon. Immer wenn Freiburg aufsteigt, steigt Bielefeld ab und umgekehrt. Immer wieder. Zwei Fahrstuhlmannschaften, die sich nie begegnen, sondern im Patanoster aneinander vorbei fahren. Ich kann mich an das letzte Meisxterschaftsspiel meiner beiden Leib- und Magen- Vereine jedenfalls kaum erinnern. Also wieder keine Dienstreise in die Heimatstadt... Schade eigentlich.
Apropos Dienstreise. Ich weiß zurzeit überhaupt noch nicht, ob ich nächstes Jahr wieder, mit dem Mikrophon im Anschlag, bei allen Spielen dabei bin. Mein Auftraggeber, baden fm, sucht noch einen Werbepartner, der die Bundesligashow in der Saison 2009/2010 als Presenting-Sponsor begleitet. In Zeiten einer weltweiten Finanzkrise ist das scheinbar gar nicht so einfach. Insofern könnte es theoretisch sein, dass heute, mit der Übertragung des SC-Spiels ein wichtiger beruflicher Lebensabschnitt für mich zu Ende geht, dass das heute nach 15,5 Jahren das letzte Spiel ist, das ich für den Freiburger Privatsender in Serie übertrage. Ich werde diese Möglichkeit heute aber nicht als Last mit mir herumschleppen, werde auch innerlich keine Träne verdrücken. Die Verhandlungen mit potenziellen Werbepartnern haben sich in den vielen Jahren schon häufig mal bis tief in den Sommer hinein gezogen. Das wird schon noch werden...
Der SC steigt auf und baden fm zieht sich zurück - das ist eigentlich unvorstellbar. Insofern rechne ich auch anno 2009 mit einem Happy-End. Vielleicht liest das hier ja jemand aus der Wirtschaft, der es spannend fände, uns als Werbepartner zu begleiten. Ich vermittele da gerne...
Zurück zum Sportlichen: Ein Spiel um die goldene Annanas mit anschließender Schalenübergabe. Ich wünsche der Mannschaft die Konzentration und Kraft für-, den 24.500 im Stadion den Spaß und auch mir den Genuss- an einem guten Kick. Und dann schauen wir mal. In neun Tagen gehts in die Karibik...
Das Spiel SC Freiburg gegen 1. FC Kaiserslautern übertrage ich ab 14 Uhr live bei baden fm.
Das Fußballspiel
Das 34. und letzte Ligaspiel der Saison brachte alles - aber wirklich alles - was sich ein Freund des SC Freiburg wünschen konnte: Ein tolles Spiel, voller Engagement und technischer Raffinesse, sieben Tore, einen höchst spannenden Spielverlauf und einen verdienten 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern, der sich auch noch einmal richtig Mühe gegeben hatte. Ein tolles Spiel am Ende einer fantastischen Saison.
Das Spiel begann flott, wie von Robin Dutt angekündigt, ohne taktische Zwänge, als offener Schlagabtausch mit leichten Vorteilen für den SC Freiburg. Etwas überraschend daher die Gästeführung in der 11. Minute. Ein Sonntagsschuss von Jendrisek vom linken Strafraumeck zog sich, wie an einem Faden gezogen, unhaltbar für Pouplin, in den rechten oberen Knick des Freiburger Tores. 0:1 und keiner wusste, warum. Freiburgs erste ernst zu nehmende Chance nach 19 Minuten: Schuster zirkelt eine Ecke vor das Lauterer Tor, Idrissou kommt zum Kopfstoß - drüber! Aber eine Situation mit Hallo-Wach-Effekt. Sieben Minuten später kann sich Idrissou auf dem linken Flügel klasse durchsetzen, spielt scharf flach in die Mitte und findet dort Bechmann. Der Däne aber lenkt den Ball nicht etwa Richtung Tor, sondern zur Verblüffung von Torwart Robles und der FCK-Abwehr per Hackentrick vor die Füße von Jäger, der aus 12 Metern und vollem Lauf abziehen kann - Tor! 1:1; die ohnehin schon blendende Stimmung im ausverkauften Stadion steigt und der SC spielt nach diesem Erfolgserlebnis nochmal deutlich stärker, zelebriert jetzt seinen finalen Meisterschaftsauftritt. In der 38. Minute wird wieder der gut aufgelegte Bechmann in Mittelstürmerposition angespielt. Diesmal macht der Däne keinen Hackentrick, sondern wird von Torwart Robles in höchster Not umgetreten. Die Folge: "Nur" Gelb für den Keeper und ein klarer Elfmeter für den SC. Daniel Schwaab legte sich den Ball in seinem letzten Sportclub-Spiel zurecht und versenkte ihn sicher zur 2:1-Halbzeitführung im Netz der Pfälzer.
Flum kam ab der 46. Minute für den gut aufgelegten Banovic. In der 64. Minute folgte Glockner für Jäger. Zunächst bewies aber Kaiserslautern, dass es auch noch da war: In der 65. Minute lässt sich SC-Keeper Simon Pouplin von einem 20-Meter-Schuss von Sidney Sam überraschen und lässt den haltbaren Ball zum 2:2 in die Maschen rutschen. Zehn Minuten später gar die Führung für die Gäste: Wieder ein Distanzschuss, diesmal von Demai, und wieder hat Pouplin, diesmal aber weitestgehend schuldlos, das Nachsehen. Eine Viertelstunde vor Schluss führte Kaiserslautern plötzlich im ausverkauften Badenovastadion. Das konnte die Feierstimmung im Stadion nicht wirklich trüben, war auch völlig unverdient, aber ein Schönheitsfehler war es allemal. Es folgte das Finale furioso und die kurze aber großartige Show des Mohamadou Idrissou. Binnen sechs Minuten, in der 83. und in der 89. Minute besorgte der schlackksige Stürmer mit seinen Saisontreffern 12 und 13 per Doppelpack den Sieg. Zunächst wurde der lange Mo genial von Flum bedient unde schloss ebenso cool ab, wie kurz vor dem Abpfiff nach einem mißglückten Kopfball eines Lauterer Abwehrspielers. Jedesmal brachte Idrissou den Ball in Goalgetter-Manier an Robles vorbei. Der Sieg war perfelkt, die Begeisterung kannte keine Grenzen mehr.
Das Nachspiel ...folgt in Kürze.